Sexuelle Rechte

Viele Handlungen und Einstellungen basieren auf alten Bräuchen und moralischen Vorstellungen wie ein Junge oder Mann und ein Mädchen oder Frau zu funktionieren haben. Du hast aber Rechte, welche dich als eigenständige Person schützen und unabhängig von Kultur und Religion sind.

Das Ziel der International Planned Parenthood Federation (IPPF) und der sexuellen Gesundheit Schweiz ist eine Welt, in der alle Menschen jung und alt ohne Ausnahme frei über ihren eigenen Körper und somit über ihr eigenes Leben bestimmen können.

Die sexuellen Rechte gelten als Teil der Menschenrechte und bestehen aus 10 Artikel:

Artikel 1: DAS RECHT AUF GLEICHSTELLUNG, GLEICHEN SCHUTZ DURCH DAS GESETZ UND FREIHEIT VON ALLEN FORMEN
VON DISKRIMINIERUNG AUFGRUND VON GESCHLECHT, SEXUALITÄT ODER GENDER
Niemand darf einen Menschen aufgrund seines Geschlechts anders behandeln. Beispiel: Es darf niemand einer Person die Lehrstelle verweigern, weil die Person eine Frau ist, oder weil die Person ein Mann ist oder weil sie schwul oder lesbisch ist.

Artikel 2: DAS RECHT AUF PARTIZIPATION UNABHÄNGIG VON GESCHLECHT, SEXUALITÄT ODER GENDER
Es darf niemand einem Menschen die Teilnahme bei etwas verbieten wegen des Geschlechts, der Sexualität oder des Genders. Beispiel: Ein Sport­verein in dem Männer erlaubt sind darf also nicht sagen, dass die Teilnahme von schwulen Männer nicht möglich ist.

Artikel 3: DIE RECHTE AUF LEBEN, FREIHEIT, SICHERHEIT DER PERSON UND KÖRPER LICHE UNVERSEHRTHEIT
Du ganz alleine bestimmst über deinen Körper und was mit ihm geschieht. Beispiel: Es hat niemand das Recht etwas mit deinem Körper ohne dein Einverständ­nis zu machen (Berührungen, Übergriffe, Gewalt). Dies gilt auch für die Beschneidung (Eingriffe im Genitalbereich) und Zwangs­oder Kinderheirat.

Artikel 4: DAS RECHT AUF PRIVATSPHÄRE
Alle Menschen haben das Recht auf Privatsphäre. Beispiel: Intime und persönlichen Sachen, wie Entwicklung, Selbstbefriedigung oder Sexualität müssen nicht mit allen geteilt werden. Du hast auch das Recht dich zu Hause in Ruhe zu duschen oder umzuziehen ohne das Jemand den Raum betritt oder dir zuschaut.

Artikel 5: DAS RECHT AUF PERSÖNLICHE SELBSTBESTIMMUNG UND ANERKEN- NUNG VOR DEM GESETZ
Jede Person hat das Recht, die selbstgewählte Sexualität selbstbestimmt und gleichberech­tigt zu leben. Beispiel: Du darfst dein*e Sexualpartner*in frei wählen und deine Sexualität lustvoll und ohne Zwang oder Diskriminierung leben.

Artikel 6: DAS RECHT AUF GEDANKEN- UND MEINUNGSFREIHEIT
Alle Menschen haben das Recht auf Gedan­ken­ und Meinungsfreiheit, dazu gehört auch die Sexualität zu erforschen, Träume und Fantasien zu entwickeln und frei von Angst, Scham und Schuld zu sein. Die Rechte der Anderen müssen dabei stets beachtet werden. Beispiel: Du darfst an einen Frauenstreik gehen und deine Meinung zu den Rechten der Frauen frei äussern oder du darfst an die Pride und dich für die Rechte von LGBT+ einsetzen.

Artikel 7: DAS RECHT AUFGESUNDHEIT
Das Recht auf Gesundheit bedeutet unter anderem, Zugang zur sexuellen Gesundheitsver­sorgung, einschliesslich Prävention, Diagnose und Behandlung aller sexuellen Infektionen und Problemen. Beispiel: Du und alle Menschen haben das Recht, auf geschützten Geschlechts­verkehr zu bestehen, um einer unerwünschten Schwangerschaft und/oder sexuell übertragbaren Infektionen, einschliesslich HIV/Aids vorzubeu­gen. Du darfst dich auch ohne das Einverständnis deiner Eltern beraten oder behandeln lassen.

Artikel 8: DAS RECHT AUF BILDUNG UND INFORMATION
Dazu gehört, dass alle Menschen ein Recht auf eine ganzheitliche Sexualbildung und Information besitzen. Beispiel: Die Schule ist verpflichtet dir Wissen über Sexualität in verständlicher Sprache zu vermitteln. Dies kann eine Lehrperson selber
übernehmen oder sie kann einen Gesundheitsdienst (Sexualpäda­gogische Fachstelle) organisieren.

Artikel 9: DAS RECHT AUF EHE UND FAMILIE UND SELBSTBESTIMMUNG BEI FORTPFLANZUNG
Alle Menschen haben das Recht sich für oder gegen die Ehe und ebenso für oder gegen die Gründung und Planung einer Familie zu entscheiden. Beispiel: Wenn eine Frau ungewollt schwanger wird hat sie das Recht einen Abbruch durchzuführen oder sich für das Kind zu entscheiden. Ebenfalls hat die Frau ein Recht auf Verhütung oder die Not­fall-­Verhütung (Pille danach).

Artikel 10: DAS RECHT AUF RECHEN- SCHAFTSPFLICHT UND ENTSCHÄDIGUNG
Alle Menschen haben das Recht auf Zugang zu Hilfe bei Verletzungen und den Zugang zu Wiedergutmachung durch Rückgabe, Entschädigung, Rehabilitierung, Genugtuung und Garantie der Nichtwiederholung. Beispiel: Wenn dir
etwas schlimmes wie sexuelle Gewalt zugestossen ist, hast du das Recht,
dass dein Schaden so angemessen wie
möglich wieder gut gemacht wird.

Du wirst in deiner Sexualität mit folgenden Artikeln über das Schweizerische Strafgesetzbuch geschützt

Bis zu deinem 16. Geburtstag bist du in der Schweiz im Schutzalter. Dieses soll deine Sexualität schützen vor negativen Erfahrungen. Wenn du 15 Jahre alt bist und du sexuellen Kontakt mit jemandem hast der 17 Jahre alt ist, macht sich der/die 17 jährige/r nicht strafbar, weil der Altersunterschied der Beteiligten nicht mehr als 3 Jahre Altersunterschied beträgt. Dies ist die einzige Ausnahme, wenn der Altersunterschied nicht mehr als drei Jahre beträgt. Wenn du jedoch 18 Jahre alt bist und sexuellen Kontakt mit jemandem hast, der 14 Jahre alt ist, kannst du dich strafbar machen, wenn jemand Drittes wegen des Altersunterschieds etwas gegen eure Beziehung hat und Strafanzeige erstattet.. Du kannst mit einer Freiheits- strafe (Gefängnis) von bis zu 5 Jahren oder einer Geldstrafe behaftet werden.

Wenn du als 16 jährige*r anhängig bist von deinem Stiefvater, weil er die Miete und deine Hobbys bezahlt und er von dir für einen Gefallen, als Gegenleistung eine sexuelle Handlung vornimmt, macht sich dein Stiefvater Strafbar. Er wird mit einer Freiheitsstrafe (Gefängnis) von bis zu 3 Jahren oder einer Geldstrafe bestraft. Das gleiche gilt auch in einem Erziehungs-, Betreuungs- und Arbeitsverhältnis oder auf andere Weise, wenn deine Abhängigkeit ausgenutzt wird.

Du verpasst den Bus und jemand nimmt dich per Anhalter mit, der Täter/die Täterin hält das Auto an, wendet direkte Gewalt, Drohungen und/oder unmittelbaren psychischen Druck an, um sexuelle Handlung ausführen zu können. Alter und Geschlecht von Opfer und Täter*in spielen keine Rolle. Unter diesen Strafartikel fallen alle sexuelle Handlungen ausser Geschlechtsverkehr. Der erzwungene Geschlechtsverkehr wird als Vergewaltigung gewertet. Wer eine Person zur Duldung einer beischlafsähnlichen oder einer anderen sexuellen Handlung nötigt, namentlich indem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter psychischen Druck setzt oder zum Widerstand unfähig macht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe bestraft.

Wenn du als Frau in einer Seitengasse überfallen wirst und jemand dich unter Drohung zum Geschlechtsverkehr zwingt, ansonsten du umgebracht würdest oder andere Gewaltformen zum Ziel des Geschlechtsverkehrs anwendet, macht sich strafbar. Wer eine Person weiblichen Geschlechts zur Duldung des Beischlafs nötigt, namentlich indem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter psychischen Druck setzt oder zum Widerstand unfähig macht, wird mit Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren bestraft.

Wenn der/die Täter*in dich bewusst betrunken macht um dann mit dir macht, um dann mit dir Sex zu haben, macht er/sie sich strafbar und wird mit einer Freiheitsstrafe mit einer Freiheitsstrafe (Gefängnis) von bis zu 10 Jahren oder einer Geldstrafe bestraft. Denn wer eine urteilsunfähige oder eine zum Widerstand unfähige Person in Kenntnis ihres Zustandes zum Beischlaf, zu einer beischlafähnlichen oder einer anderen sexuel- oder Handlung missbraucht, wird bestraft. Dies gilt auch, wenn ein Mensch z.B. geistig beeinträchtigt z.B. geistig beeinträchtigt (behindert) ist.

Jemand, der dir im Zug gegenüber sitzt und dir sein erregtes Glied zeigt, macht sich strafbar. Jemand übt sexuelle Belästigung aus, wenn er oder sie von jemandem, der dies nicht erwartet, eine sexuelle Handlung vornimmt und dadurch Ärgernis erregt oder wenn er oder sie jemanden tätlich oder in grober Weise durch Worte sexuell belästigt. Solche Taten werden auf Antrag mit Bussen bestraft. Das Zeigen seiner Geschlechtsorgane oder die Selbstbefriedigung vor anderen Personen, die das nicht wollen, ist eine exhibitionistische Handlung oder eine sexuelle Belästigung. Diese Straftaten werden nur dann verfolgt, wenn das Opfer einen Strafantrag stellt.

Wenn du als 19-Jährige*r einem 15-Jährige*n via Handy ein Pornofilmli oder ein pornografisches Bild schickst, machst du dich strafbar und kannst mit einer Freiheitsstrafe (Gefängnis) von bis zu 3 Jahren oder einer Geldstrafe behaftet werden. Dies, weil wer pornografische Schriften, Ton- oder Bildaufnahmen, Abbildungen, andere Gegenstände solcher Art oder pornografische Vorführungen einer Person unter
16 Jahren anbietet, zeigt, überlässt, zugänglich macht oder durch Radio oder Fernseher verbreitet, bestraft wird.

Du und alle Menschen haben das Recht… Wenn du Hilfe zum Thema Sexuelle Gewalt brauchst findest du bei uns unter Nützliche Links oder, direkt bei der opferhilfe-schweiz. Du kannst dich auch an die Fachperson in unserem Sexpert Chat wenden.

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